SCHIENE regional - Bahnthemen Südwest© 2008 by Frank-D. Paßlick, Gengenbach Und übrig bleibt das Zuglaufschild |
Abschied vom "dreißig zwanzig"
|
Letzte Abfahrt RE 3020 in Rastatt - selbst die H-Tafel trauert
Siehe auch: Fahrt durch den Tarifdschungel mit dem RE 3020
|
ICE - Zugpferd oder Störenfried? Die Fremdenverkehrsverbände und Gemeinden im Einzugsbereich der Schwarzwaldbahn drängen auf eine schnelle Ausschreibung der IR-Ersatzleistungen. Und Startlöcher für die Lancierung schlüssiger Angebote werden auch schon gegraben. Es ist durchaus vorstellbar, dass die Nordschweizer Mittel-Thurgau-Bahn gemeinsam mit der SBB ein Angebot über einen Stundentakt zwischen Konstanz und Offenburg bei der NVBW einreichen wird. Die DB Regio wird inzwischen von den Anliegern nicht mehr besonders "geliebt", denn die im Schwarzwald auf der wunderschönen Mittelgebirgsstrecke eingesetzten Fahrzeuge haben ihre Abschreibungslaufzeit weit überschritten. Wo neues Material (mit Fenstern, die man öffnen kann) Fahrgäste binden könnte, werden statt dessen Türen an Wagen der Bauart BDm ohne Schließeinrichtung einfach zugeschweißt und gelb bezettelt. Gar mancher Fahrgast ist schon über das Ziel hinaus gefahren ... Die gravierenden Nachteile der Fahrplan- und Angebotswirklichkeit verleiten den Berichterstatter zu weiteren Visionen. Wenn schon MThB und SBB "über den Berg" bis ins Rheintal fahren sollten, böte sich eine Direktanbindung von Zürich her an. Natürlich passt ein solcher Gedanke nicht in Mehdornsche Planungsstrukturen, aber diese Verbindung könnte mit einem Schlag viele Fahrplanprobleme im Oberrheintal durch den Wegfall eines Fernzugs über Basel lösen. Denn erst seit 1993, dem ICE-Start am Oberrhein, sind die Verknüpfungsknoten in Offenburg, Freiburg und Basel zerstört (Erläuterung siehe Fahrplanbeispiel weiter unten). Und diese Vision, dieser Traum hat einen Namen: IntegralerTaktFahrplan. Ein ITF unterscheidet sich deutlich vom derzeitige Angebot. Das willkürlich heraus gegriffene Beispiel von Offenburg zeigt überdeutlich, wie ungünstig sich "holpernde" Fernverkehrstakte auf die Anschlüsse auswirken:
Durchfahrt eines IC Richtung Basel (ohne Halt) 17:34 Uhr Die Auflösung der Verknüpfungsknoten am Oberrhein seit Einführung des ICE sei hier genauer erläutert. Bis September 1993 gab es an den wesentlichen Umsteigezentren der Region klare Verhältnisse, die eine Anpassung des Nahverkehrs auf Schiene und Straße an den Fernverkehr erleichterten. Die Fahrzeit der Fernzüge betrug zwischen den Oberzentren und Großstädten jeweils etwa 30 Minuten, womit sich in Mannheim (Minute 30), Karlsruhe (Minute 00), Offenburg (Minute 30), Freiburg (Minute 00) und Basel Bad Bf (Minute 30 +/- 6) Kreuzungen dieser Züge in den Umsteigebahnhöfen ergaben. Auch hier sei zur Detaildarstellung das Beispiel Offenburg als Umsteigeknoten herangezogen. Im Bahnhof dieser Stadt, mit 60.000 Einwohnern eher unbedeutend im Vergleich zu Karlsruhe, Freiburg und Basel, findet die Verknüpfung der Oberrheinstrecken (KBS 702 und 703) mit drei weiteren Strecken statt. Eine davon ist die relativ kurze Zweigstrecke ins Renchtal (KBS 718). Jahrelang war sie stilllegungsgefährdet, seit 1998 erlebt sie einen steilen Aufschwung. Die Ortenau-S-Bahn (Tochter der SWEG) löste die DB als Betreiber ab und liefert seither zweistellige Steigerungsraten in der jährlichen Fahrgaststatistik. Auf der KBS 719 zwischen Strasbourg und Offenburg verkehren Züge mit Mehrsystemfahrzeugen und Dieseltriebwagen, die Verknüpfungen in das französische Netz herstellen. Weitaus bekannter als die vorgenannten Strecken ist die KBS 720, die Schwarzwaldbahn. Sie erfüllt wichtige regionale Verteilfunktionen im Kinzigtal mit seinen Seitentälern und Verbindungen nach Villingen, Singen und Konstanz, sowie Freudenstadt über die KBS 721. Neben diesen Streckenübergängen gibt es erhebliche Fahrgastbewegungen im Nahverkehr auf der Oberrheinstrecke, ein Teil davon als Übergangsbeziehungen zwischen Fern- und Nahverkehr in Offenburg für die kleineren Orte im Oberrheintal. Die Fernverkehrszüge (IC/EC) hielten, wie oben erwähnt, aus beiden Hauptrichtungen etwa zur Minute 30. Zweistündlich bestand Anschluss vom/auf den Interregio, der in Offenburg aus Nordrichtung um zwei Wagen gekürzt und vom Bodensee kommend zur Kapazitätsanpassung ebenso verstärkt wurde. Die Fahrpläne für den Nahverkehr ließen bei einer Orientierung auf diesen Knotenzeitpunkt Anschlüsse in alle Richtungen zu. Nach Einführung der ICE-Linie Hamburg-Zürich und der Anbindung des Schwarzwalds über den InterRegio vom/zum ICE (Übergang ungefähr 15 Minuten) änderte sich die Ausgangslage für die Nahverkehrsplaner gravierend (dazu ein Ausschnitt aus der Abfahrtstafel 2000/01 des Fernverkehrs für Offenburg im Rahmen). In den "geraden" Stunden liegen die Abfahrtszeiten der Fernzüge in einem Zeitfenster zwischen Minute 03 und 33, in den "ungeraden" Stunden zwischen Minute 25 und 57. Das dünn besiedelte Einzugsgebiet lässt eine Nahverkehrsanbindung nur im Stundentakt zu. Aber zu welcher Zeit? Geschimpft wird wegen der schlechten Anbindung gründlich - auf die Verantwortlichen im Nahverkehr! Die Bahnkunden sehen verständlicherweise "ihre" Zugverbindung und wundern sich über die langen Wartezeiten (falls sie sich auf das Theater überhaupt einlassen). Aber weder die Nahverkehrsbetreiber auf der Schiene noch die Busanbindung kann bei diesem Fernverkehrsangebot sinnvoll für unterschiedliche Übergangsbedürfnisse der Fahrgäste strukturiert werden. Und die Nahverkehrsgesellschaft versucht "bedarfsgerecht" zu reparieren und ihre beschränkt zur Verfügung stehenden Mittel "so gut wie möglich" zu verwenden. Hinzu kommen eine Reihe von Unwägbarkeiten, die man sich vor Jahren noch nicht hätte vorstellen können: Kleine, vom Zeitpunkt her immer wieder aufgeschobene Fahrplanwechsel. In diesem Jahr soll zum 10. September der Haltepunkt Offenburg-Kreisschulzentrum mit nahezu 40 Ankünften/Abfahrten pro Tag in Betrieb genommen werden (ursprünglich geplant war der 5. November 2000). Für den 1. Dezember steht die Änderung des Verkehrs zwischen Offenburg und Strasbourg in Aussicht - dieser Termin schiebt sich ebenfalls schon durch mehrere Fahrplanperioden. Das Ergebnis all dieser Einflüsse ist ein "taktloser" Fahrplan. Besondere Auswüchse treibt die Einführung der IRE in Karlsruhe. Bis zum 9. Juni gab es zwischen Heidelberg und Offenburg ein Parallelangebot von Stadtexpress und Interregio mit unterschiedlicher Aufgabenteilung. Ab 10. Juni gibt es eine Kurzformel: IR kommt - IRE ist schon weg - SE gibt's nicht mehr. Ein Fahrplanausschnitt, der die Flickschusterei besonders gut verdeutlicht, ist unten dargestellt. Das gleiche Dilemma gilt ähnlich auch in Gegenrichtung. Diese erschütternde Ignoranz von Fahrgastinteressen ist, wie bereits erwähnt, die Umsetzung eines Minister-Versprechens zehn Wochen vor der Landtagswahl und wird begründet durch die Beibehaltung von Anschlussbeziehungen in Singen (Hohentwiel)! Damit schließt sich der Kreis. Der RE 3020 ist Opfer geworden der "Resourcen- und Anschlussoptimierung" an untaugliche Rahmenbedingungen. Das wahre Opfer ist allerdings der Fahrgast und das Ideal vom Bahnfahren.
Abfahrtszeiten des Fernverkehrs in Offenburg (Fpl 2000/01)
Ankunft / Abfahrt in Karlsruhe Hbf für die Relation Heidelberg - Offenburg
Anmerkung: alle bisher als SE im Stundentakt zwischen Saarbrücken und Offenburg gefahrenen Züge werden ab 10. Juni in Karlsruhe gebrochen (bis Karlsruhe RB, ab Karlsruhe abwechseln als IRE und RE, nur jede 2. Stunde mit Anschluss). |
Siehe auch: Fahrt durch den Tarifdschungel mit dem RE 3020
SCHIENE regional Bahn-Themen | SCHIENE regional Streckenmeldungen
Schwarzwaldbahn | Nahverkehr im Ortenaukreis